LESEZIRKEL V. Scheible

Geschichte

Ein Unternehmen mit Tradition

  • Schild: Leihen ist billiger als kaufen
    Werbung damals

Eigentlich beginnt die Geschichte des LESEZIRKEL Scheible schon im Jahr 1907. Richard Ganske gründete in Kiel den Leserkreis Daheim, den heute größten Lesezirkel Deutschlands. Für diesen Lesezirkel arbeiteten zwei junge fleißige Männer, die Brüder Otto und Emil Krafzik. Nach dem zweiten Weltkrieg hatten diese beiden Brüder erkannt, dass sich das Vermieten von Zeitschriften immer mehr zu einem lukrativen Geschäft entwickelte. Die Menschen hatten nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren ein grenzenloses Nachhol- und Informationsbedürfnis. Fernsehen gab es noch nicht, und das Internet war damals jenseits jeglicher Vorstellungskraft. Aber es gab Zeitschriften. Und wenn die Zeitschrift einmal gelesen war, so konnte man sie z.B an den Freund oder Nachbarn weitergeben, die Buchstaben und Bilder waren schließlich ja noch drin und anders als Bücher sammelte man sie nicht. Es gab ja jede Woche neue. So entwickelte sich die Idee des Lesezirkels als Service-Unternehmen. Der Lesezirkel brachte und bringt heute die neuen Zeitschriften pünktlich und zuverlässig zum Kunden und nimmt die gelesenen wieder mit.

  • Deckblatt einer Lesemappe mit Eigenwerbung Deckblatt einer Lesemappe mit Werbung
    Umschläge damals

Aber der größere Vorteil dieses Service lag darin, dass der Kunde dabei noch Geld sparen konnte. Geliehene Zeitschriften waren günstiger als gekaufte. Das ist heute immer noch so. Für jeden Geldbeutel war und ist etwas dabei. Damals wurden die Zeitschriften bis zu 13 Wochen weiterverliehen, und je älter, natürlich auch umso günstiger. Heute gehen die Zeitschriften nur noch maximal bis zu vier Wochen nach Erscheinen raus, aber das Prinzip ist das gleiche, je älter, desto günstiger.

  • Charlotte und Gotthilf Scheible
    Charlotte & Gotthilf Scheible

Nun zurück zu den Brüdern Krafzik. Die hatten beschlossen, ihre eigenen Unternehmen zu gründen. Emil in Wanne-Eickel, wo die Familie Krafzik beheimatet war, und Otto in Gelsenkirchen. Nun hatten diese beiden Brüder auch noch eine kleine Schwester, die Charlotte. Fleißig und fröhlich musste Charlotte ihren Brüdern helfen, ihre Unternehmen aufzubauen. Erst half sie Otto und dann half sie Emil. Zwischendurch heiratete sie Gotthilf Scheible und entwickelte Ehrgeiz. Sie überzeugte Brüder und Mann, ebenfalls einen eigenen Lesezirkel gründen zu wollen. 1951 war es dann soweit. In Marl, wo die Scheibles lebten, gründete Gotthilf Scheible in der Bergstrasse den LESEZIRKEL Scheible, damals unter der Firmierung "Welt im Bild".

  • Das Firmenschild Welt im Bild
    Das erste Firmenschild

Als Emil dann nach Hagen umzog, zogen die Scheibles zurück nach Wanne-Eickel und mit ihrem Betrieb in die Vereinsstrasse. Es begannen Jahre des Aufbaus. Während die Auslieferungsfahrer heute in klimatisierten Fahrzeugen ihre Kunden anfahren, saß Gotthilf damals bei Wind und Wetter auf seinem Moped, die Zeitschriften in Satteltaschen, und lieferte aus. Er lieferte Zeitschriften bis nach Haltern und Coesfeld, wobei er Moped und Satteltaschen bis Haltern in die Bahn verlud, um überhaupt dort anzukommen. Lieferauto VW Käfer In Wanne-Eickel wurden die Kunden von Charlotte mit dem Fahrrad und einem Anhängen angefahren. Im Gegensatz zu heute war das früher möglich. Die Leser früher waren hauptsächlich Privathaushalte, und in einem Haus lasen nicht selten alle Mieter. Einer bekam die neue Mappe, der Rest wurde nur ausgetauscht. Heute werden die Lesemappen hauptsächlich in den gewerblichen Bereich geliefert, und nicht selten erleben wir es, dass Privatleute ganz erstaunt darüber sind, diesen Service auch nutzen zu können, zu den gleichen Bedingungen wie die gewerblichen Kunden. Unermüdlichkeit und Fleiß sorgten dafür, dass Moped und Fahrrad damals gebrauchten VW Käfern weichen mussten. Diese wurden umgebaut und mit Ladeflächen ausgerüstet; und es ging weiter aufwärts.

Ein Schicksalsschlag war der frühe Tod von Gotthilf Scheible 1972. Damals 50 Jahre alt, stand Charlotte vor der Aufgabe vier Kinder zu ernähren und den Betrieb alleine weiterzuführen zu müssen, die Grundlage der Existenz. Sie stellte sich erfolgreich dieser Herausforderung. Sie besaß zwei Leidenschaften, ihre Kinder und den Lesezirkel, wobei sie es verstand, beides geschickt miteinander zu verbinden. Im Lesezirkel gab es immer was zu tun und alle Kinder halfen mit und, wenn sie nicht schnell genug weg waren, deren Freunde auch. Es ging weiter aufwärts. Die Betriebsräume in der Vereinsstrasse reichten nicht mehr aus, der Betrieb zog um in die Dorstener Strasse. Charlotte Scheible führte den Lesezirkel erfolgreich weiter, bis 1991 ihr Sohn Volker ihre Nachfolge antrat. Mit den Worten: "Lasst die Jugend auch mal ran", zog sie sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück.

Heute hat der LESEZIRKEL Scheible seit 1993 seine Heimat in der Resser Strasse gefunden, wo die Familie und die Mitarbeiter diesen Betrieb mit der gleichen Leidenschaft weiterführen wie die leider inzwischen verstorbene Firmengründerin.


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